Behauptung: Mehr Kreatinin beweist einen Nierenschaden
Die Herausforderung: Kreatinin im Blut wird zur Schätzung der glomerulären Filtrationsrate, kurz eGFR, verwendet. Ein höherer Wert kann deshalb wie ein direkter Beleg für schlechtere Nierenfunktion wirken.
Die Widerlegung: Eine systematische Übersicht und Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 fand nach Kreatineinnahme einen kleinen Anstieg des Serum-Kreatinins. In der getrennten Auswertung der GFR zeigte sich dagegen kein statistisch signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe. Die beiden Messgrößen dürfen daher nicht gleichgesetzt werden.
Die Grenze: Das Ergebnis beweist nicht, dass jeder Anstieg harmlos ist. Die Studien unterschieden sich bei Gruppen, Mengen und Dauer. Viele waren klein, die Angaben zu Messverfahren waren lückenhaft, und Daten über mehr als ein Jahr blieben knapp.
Behauptung: Eine Kreatinin-eGFR reicht immer aus
Die Herausforderung: Eine eGFR sieht wie ein exakter Messwert aus. Tatsächlich ist sie eine Schätzung. Das NIDDK beschreibt die Gleichung, die bei Erwachsenen Alter, Geschlecht und Serum-Kreatinin verwendet.
Die Widerlegung: Das NIDDK bevorzugt für eine genauere Schätzung die Kombination aus Kreatinin und Cystatin C. Diese Kombination sei besonders wichtig, wenn das Ergebnis nahe an einem Wert liegt, von dem eine klinische Entscheidung abhängt, etwa bei bestimmten Medikamentendosierungen.
Die Grenze: Daraus folgt kein Auftrag, selbst einen bestimmten Test zu verlangen. Welche Messung sinnvoll ist und wie ein Befund bewertet wird, hängt von der konkreten Situation ab und gehört in fachliche Hände.
Was die Frauen-Daten ergänzen
Eine frühere Sicherheitsübersicht wertete 29 Studien mit zusammen 951 Teilnehmerinnen aus. Bei gemeinsam ausgewerteten Nieren- und Leberparametern sowie unerwünschten Ereignissen fand sie keine statistisch signifikanten Unterschiede. Untersucht wurden postpubertäre, nicht schwangere Frauen; Protokolle und Beobachtungszeiten unterschieden sich.
Die Nieren-Meta-Analyse von 2025 war nicht auf Frauen zugeschnitten. Ihre Gesamtaussage ersetzt daher keine frauenspezifische Prüfung und beantwortet Schwangerschaft, Stillzeit, bekannte Nierenerkrankungen oder eine konkrete Medikamentenkombination nicht.
Behauptung: Der Laborzettel entscheidet allein über die Einnahme
Die Herausforderung: Kreatinin und eGFR stehen als Zahlen im Befund. Daraus kann der Eindruck entstehen, eine einzelne Zahl entscheide automatisch, ob Kreatin fortgesetzt oder abgesetzt werden sollte.
Die Widerlegung: Die Meta-Analyse trennt den kleinen mittleren Kreatininanstieg von der getrennt ausgewerteten GFR. Das NIDDK beschreibt eGFR zudem ausdrücklich als Schätzung und nennt die Kombination aus Kreatinin und Cystatin C als genauere Schätzung, wenn ein Ergebnis für eine klinische Entscheidung wichtig ist. Ein Befund braucht daher den Mess- und Personenkontext.
Die Grenze: Diese Quellen legen keine persönliche Entscheidung fest. Das BfR rät bei einer längerfristigen gemeinsamen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln zur ärztlichen Absprache, weil Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen werden können.
Angaben für das Fachgespräch
- Name, Zutatenliste und verwendete Menge des Produkts
- Beginn und Ende der Einnahme sowie Zeitpunkt der Blutabnahme
- alle Medikamente und weiteren Nahrungsergänzungsmittel
- bekannte Erkrankungen und Anlass der Laboruntersuchung
- Kreatinin, eGFR und weitere Befunde mit Datum und Referenzbereich
Diese Website diagnostiziert keinen Laborwert, schließt keine Wechselwirkung aus und empfiehlt weder das Fortsetzen noch das Absetzen eines Präparats.